Der antidemokratische Block – angeführt von AfD und BSW –  bereitet im Landtag von Sachsen-Anhalt sehr offensiv die Regierungsübernahme für die erste rechtsextreme Landesregierung seit 1945 vor. Diejenigen, die sich widersetzen, sind die vielen Aktiven der demokratischen Zivilgesellschaft – auch aus den Gewerkschaften.

Denn gerade in der Arbeitswelt wird der rechtsextreme Flächenbrand besonders sichtbar. Der neue AfD-Landtagsvizepräsident zum Beispiel markiert Gewerkschaften wie die GEW, die für demokratische Schüler*innen und Pädagig*innen einsteht, regelmäßig als politische Gegner*innen. Doch auch bei Arbeitnehmer*innen, die gewerkschaftlich organisiert sind, konnte die rechtsextreme AfD erfolgreich Stimmen sammaeln. Reale und gefühlte Ost-West-Ungleichheiten und Ungerechtigkeit sind Themen, die dafür ausschlaggebend sind. 

Deshalb wollen wir in dieser Folge mit Olaf Klenke von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) über zu wenig beachtete erfolgreiche Arbeitskämpfe in Ostdeutschland und die Frage sprechen: Wie wirkt sich der rechtsextreme Flächenbrand in den Betrieben aus: Wo etwa in Europas größter Brezel-Industriebäckerei Ditsch eine neue Generation von Arbeitnehmer*innen in Ostdeutschland einerseits selbstbewusst mit Streiks gegen Ungerechtigkeiten kämpft und andererseits trotzdem vielfach rechtsextreme und antidemokratische Parteien wie AfD und BSW wählen, obwohl sie die Rechte von Arbeitnehmer*innen und Gewerkschafter*innen massiv einschränken wollen? Können wir trotzdem aus den Streiks auch etwas über Hoffnung, Mut und Solidarität lernen? Mit Robert Fietzke vom soziokulturellen Zentrum ZORA in Halberstadt sprechen wir außerdem über die Proteste bei der ersten Landtagssitzung in Sachsen-Anhalt und über paradoxe Hoffnung. 

Zu Gast

Olaf Klenke begleitet bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) als Landesbezirkssekretär Ost die gewerkschaftliche Organisierung und Arbeitskämpfe in der Lebensmittelindustrie u.a. in Sachsen-Anhalt. Er ist in Ost-Berlin geboren und ehrenamtlich politisch in der Partei Die Linke engagiert.

Robert Fietzke ist Sozialarbeiter und Geschäftsführer des soziokulturellen Zentrums ZORA in Halberstadt. In der 38.000 Einwohnerstadt bietet die ZORA seit 1991 einen Zufluchtsort für nicht-rechte Jugendliche und junge Erwachsene aus dem gesamten Ostharz. In der Vergangenheit war Robert Fietzke kommunalpolitisch bei Der Linken aktiv.

Shownotes

Olaf Klenke: Lohnmauern einreißen! Die Erfolge der gewerkschaftlichen Organisierung in der Lebensmittelindustrie im Osten 

Ungleichland: Grafiken und Fakten zu sozialer und ökonomischer Ungleichheit in Deutschland (Hg. Rosa Luxemburg Stiftung 2026)

Buchtipps

Isabella M. Weber : Antifaschistische Wirtschaftspolitik (suhrkamp 2026)

Ramona Wuttig: Aller Aufstieg ist schwer: Arm, Ostdeutsch, Arbeiterkind – die Lüge von der Chancengleichheit (Rowohlt 2026)